Neue Anforderungsprofile und Karrierewege

Joerg E. Staufenbiel in: Versicherungswirtschaft, Heft 22, 15.11.2009

Die Versicherungswirtschaft steht vor großen Veränderungen und Herausforderungen in der Zukunft. Dies prognostiziert auch die IBM Versicherungsstudie 2020. Neue Produkte, Services und Geschäftsprozesse werden entstehen. Online-Informationsmöglichkeiten und die Auswirkungen der Globalisierung tragen ebenfalls zu den Veränderungen bei. Auch die demografische Entwicklung der Bevölkerung erfordert neue Geschäftsstrategien. Im Hochschulbereich werden neue Bachelor- und teilweise berufsbegleitende Masterstudiengänge entwickelt. Damit ergeben sich für Versicherungs-Manager neue Anforderungsprofile und Karrierewege.

Die Akademikerquote in der Versicherungswirtschaft beträgt ca. 13 %. Üblicherweise wurden überwiegend Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler eingestellt, die bereits im Studium sich mit Themen der Versicherungswirtschaft beschäftigt haben. Die spätere Tätigkeit erfolgte entweder im Innendienst oder im Außendienst (Orga), wobei der weitere Aufstieg in Form von „Kaminkarrieren“ verlief. Job-Rotation zwischen Innen- und Außendienst waren bis auf wenige Ausnahmen nicht üblich, wobei allerdings am Berufsanfang meist ein Einsatz im Vertrieb erfolgte. Selbstverständlich wird es auch in Zukunft Fachlaufbahnen, z.B. als Aktuar, Underwriter, Personalmanager und IT-Spezialist geben. Die Karrierewege der Zukunft sehen ähnlich der Industrie einen mehrfachen Arbeitsplatzwechsel zwischen Funktionen, Sparten sowie Regionen vor.

Der Bachelor-Absolvent evtl. in Verbindung mit einem dualen Studiengang kann zunächst ein Trainee-Programm im Vertrieb absolvieren oder als Spezialist im Innendienst beginnen. Die weitere Entwicklung zur Führungskraft führt in Zukunft über spezielle Master- oder MBA-Programme. Diese werden berufsbegleitend angeboten und kosten zwischen 10.000 und 28.000 €. Die bekanntesten Programme sind:

  • Executive Master of Insurance (LMU München)
  • MBA Insurance (Universität Leipzig)
  • MBA Versicherungsmanagement (FH Coburg)
  • Master of Quantitative Finance (Frankfurt School of Finance & Management, Bankakademie / HfB)
  • Master of Pension Management (FH Kaiserslautern/Zweibrücken)

Im Anschluss an einen Bachelor-Abschluss werden konsekutive Masterprogramme, beispielsweise der FH Köln oder der Universität Ulm, angeboten, wobei Studiengebühren von nur 500 € pro Semester anfallen. Das Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft in München (BWV München) bietet neben seinem dualen Ausbildungsintegrierten Studium (AIS) nicht nur Bachelor- und Master-Studiengänge an, sondern auch Planspiele zu den Themen Solvency II, Value Based Management und Changemanagement zur Vorbereitung von Führungskräften.

Auch Quereinsteiger aus den Bereichen Consulting und Marketing haben vor allem in strategischen Positionen oder als Vorstandsassistent gute Einstiegs- und Aufstiegschancen. Ebenso eignen sich das Risiko-Management sowie das Kapitalanlagen-Geschäft (Asset-Management) für berufserfahrene Kandidaten als interessanter Quereinstieg. Rückversicherungsunternehmen werden gerne als „Haus der 100 Berufe“ bezeichnet. Nicht nur bei globalen Unternehmen sind gute Sprachkenntnisse sowie die Bereitschaft zur Mobilität erforderlich. Der Wettbewerbsdruck erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Innovationsbereitschaft. Vor dem Hintergrund neuer Versicherungsmodelle sind fundierte Kenntnisse von Informationssystemen sowie des Internets von besonderer Bedeutung.

Zur Gewinnung von qualifizierten Absolventen muss die Versicherungsbranche das Arbeitgeber-Image (Corporate Branding) vor allem bei Studienabsolventen in den Bereichen Mathematik, Informatik und Technik verbessern. Dies gilt ebenso für Quereinsteiger aus den Bereichen Consulting, Marketing und Geschäftsprozesse. In der Rankingliste „Top Arbeitgeber 2008“ sind bei den Wirtschaftswissenschaftlern nur die Allianz und die Münchener Rück auf mittleren Plätzen vertreten. In dem aktuellen Absolventenbarometer 2009 (Law-Edition) gaben von den 2054 befragten examensnahen Jurastudenten und Referendare nur 2,1 % die Allianz-Gruppe als Top-Arbeitgeber an.

Die Zukunftsperspektiven der Versicherungswirtschaft sind gute Voraussetzungen, sich als innovative Arbeitgeber zu präsentieren.

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